Wie dein Bild vom Kind deine Erziehung bestimmt – 7 Punkte, die dein Kind genau beschreiben

Wie dein Bild vom Kind deine Erziehung bestimmt –

7 Punkte, die dein Kind genau beschreiben

Das „Bild vom Kind“ ist ein pädagogischer Fachbegriff, der unsere Vorstellung von der Entwicklung, den Eigenschaften und auch von den Erwartungen an unser Kind beschreibt. Dieses Bild prägt unseren Erziehungsalltag und den Umgang miteinander.

Sind unsere Kinder geborene Lerner und unterschiedliche Individuen, die wir nur unterstützen müssen? Oder sind Kinder wie eine „weiße Leinwand“, auf die wir alles malen können und die wir nach unseren Vorstellungen gestalten können?

Hier möchte ich dir mein Bild vom Kind beschreiben. Ein Verständnis, das auch deinen Erziehungsalltag erleichtern und dir Sicherheit im Umgang geben wird.

Wie sah man Kinder früher?

Kinder wurden bis weit in das Mittelalter hinein der Erwachsenenwelt angepasst. Ein Kind war nichts anderes als ein kleiner Erwachsener. Es wurde wie ein Erwachsener gekleidet und nahm ohne Rücksicht auf sein Alter und den Entwicklungsstand an allen gesellschaftlichen Ereignissen teil. Im Alter von ca. 7 Jahren, mit der Fähigkeit zu arbeiten, war die Kindheit so gut wie beendet.

Dies änderte sich erst im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts. Ab da wurde die Kindheit als eine eigenständige Lebensphase betrachtet. Kinder erhielten erstmals eigene Spiele und Kleidung und z.B. Kinderbücher.

Auch die Geschichte der Pädagogik und der Psychologie zeigt unterschiedliche Bilder vom Kind.

Das Kind als leere Tafel

Der „pädagogische Optimismus“ beschreibt ein Kind, welches geformt werden muss. Es wird als unvollständiges Wesen gesehen, dass zu dem wird, was der Erziehende und die Gesellschaft aus ihm machen. Es sind ausschließlich die Vorstellungen bzw. Meinungen der Erwachsenen, die das Kind formen.

Das Kind als Samenkorn

Oder jedes Kind ist genetisch vorprogrammiert. Wie in einem Samenkorn sind Entwicklung und Persönlichkeit festgelegt. Das Kind entwickelt sich aus sich selbst heraus und ist kaum veränderbar. Hier spricht man von der „Ohnmacht der Erziehung“ oder vom „pädagogischen Pessimismus“.

Das kompetente Kind

Jedes Kind besitzt bereits alle Grundanlagen des Menschen. Je nach Alter und Reife werden diese Wesenheiten verschieden ausgebildet. Das Kind wird selbst aktiv und braucht Vorbilder und Unterstützung, um diese Anlagen auszubilden.

Wie wird das Kind heute gesehen?

Auch heute unterscheiden sich die Bilder. Andere Gesellschaften und Kulturen sehen ihre Kinder und die Kindheit völlig unterschiedlich. Die Theorien über Kinder folgen vorherrschenden gesellschaftlichen Vorstellungen und Glaubenssätzen. Folgendes Bild ist ebenso eine Theorie, die ich befürworte. Ich bin sehr gespannt, ob sie auch deinen Vorstellungen und Glaubenssätzen entspricht.

1. Autonomie, Individualität und Persönlichkeit

Schon ein Säugling ist ein kompetentes, verständiges, reaktionsfähiges und aktives Wesen, das gleichzeitig schutzbedürftig ist.

Individualität und Persönlichkeit können sich entfalten, wenn wir das Kind selbstwirksam werden lassen. Das Vertrauen in das eigene Können und Fähigkeiten ist für Kinder sehr wichtig. Damit ein Kind mutig und selbstbewusst sein kann, muss es lernen, dass es etwas beeinflussen und bewirken kann – so wird es auch leichter, sich etwas zu trauen.

2. Das aktive und kreative Kind

Kinder sind von Natur aus Forscher, Entdecker und Erfinder. Sie setzen sich aktiv und kreativ mit der Welt auseinander. Schon von Geburt an beobachten und analysieren sie sehr genau. Ihre Schlussfolgerungen und Erkenntnisse sind Grundlage für ihr Verständnis von der Umwelt und genauso von sich selbst. Neugierig und engagiert verfolgen sie ihre Interessen und wollen lernen. Sie entwickeln dabei immer komplexere und wirkungsvollere kognitive Strategien und Kompetenzen.

3. Das konstruierende Kind

In der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt und im Dialog mit anderen Kindern, mit Eltern und weiteren Bezugspersonen konstruieren Kinder ihr Weltwissen: So bin ich und so ist die Welt. Sie wollen sich, andere und die Welt verstehen.

Dieser Austausch mit anderen ermöglicht es Kindern, ihr Wissen durch immer neue Erfahrungen zu erweitern und zu differenzieren. Wir sind gefordert, die Lernwege unseres Kindes zu beobachten, zu verstehen, zu unterstützen und mit zu gestalten.

4. Das kompetente Kind

Kinder gestalten ihre Bildungsprozesse eigenständig und sind hoch motiviert. Sie bringen dabei ihre eigenen Ressourcen, Kompetenzen und individuellen Stärken ein. Sie suchen in der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt nach Sinn und Bedeutung.

Über Wahrnehmen, Empfinden und Handeln machen Kinder Erfahrungen, welche die Grundlage für ihre sehr individuellen Lernprozesse sind.

Sie suchen nach Zusammenhängen und Erklärungsmustern und durch die Überprüfung ihrer Erwartungen und durch den Vergleich mit bereits gemachten Erfahrungen wir ihr Selbst- und Weltbild kontinuierlich angepasst.

5. Das soziale Kind

Kinder sind soziale Wesen, die mit anderen Menschen in Kontakt treten möchten, Beziehungen suchen und benötigen. Sie haben grundlegende Bedürfnisse nach emotionaler Sicherheit, Zuwendung und Wertschätzung. Diese Bedürfnisse müssen für eine gesunde Entwicklung befriedigt werden.

Im sozialen Austausch entwickelt dein Kind tiefgehende Bindungsbeziehungen als Basis für das eigene, aktive Welterkunden.

Durch den Austausch mit Bezugspersonen und anderen Kindern erhält das Kind Rückmeldung über sich. Diese Erfahrungen werden in das Selbstbild integriert und gestaltet die eigene Identität.

6. Das selbstständige und starke Kind

Kinder brauchen ein Umfeld, das ihren Autonomiebestrebungen Raum gibt, ihnen andererseits aber auch genügend Sicherheit, Schutz und Unterstützung bietet. Sie brauchen Wurzeln und Flügel. So sollen sie Lösungswege für die Beantwortung von Fragen ausprobieren, die ihnen wichtig sind. Erkläre nicht nur die Welt, lass sie diese selbst erfahren.

Die Entwicklung von Selbsttätigkeit und Selbstständigkeit sind wichtige Grundlagen für die Persönlichkeitsbildung und das Bewusstsein der eigenen Kompetenzen.

Kinder, die sich selbst und ihren Bezugspersonen vertrauen können, bilden wichtige Ressourcen, um auch schwierige Lebensbedingungen und Belastungen erfolgreich zu bewältigen. Erfahrungen, auf die sie ihr Leben lang zurückgreifen kann.

7. Das einzigartige Kind

Die Würde des Kindes ist unantastbar. Jedes Kind hat ungeachtet seines Geschlechts, seiner Herkunft, Kultur, Lebenswirklichkeit, seines Alters und Entwicklungsstandes das Recht, in seiner Individualität ernst genommen und wertgeschätzt zu werden.

Jedes Kind ist anders, wenn du mehrere Kinder hast, weißt du, wie unterschiedlich Kinder sein können, trotz gleicher Ausgangslage.

Individuelle Unterschiede der Kinder stellen eine Chance dar, voneinander und miteinander zu lernen.

Jedes Kind hat eigene Rechte haben, und zwar, dass sie geschützt, gefördert und beteiligt werden. Die Beachtung der Kinderrechte ist wichtig, damit Kinder eine Chance haben, glücklich aufzuwachsen und zu glücklichen und erfolgreichen Erwachsenen werden.

Warum solltest du dir dein Bild vom Kind bewusst machen?

Deine Vorstellungen und Erwartungen bestimmen unmittelbar dein pädagogisches Handeln. Es ist wichtig, dir diese Zusammenhänge bewusst zu machen. Unser inneres „Arbeitsmodell“ zeigt sich ganz unmittelbar im konkreten Umgang mit Kindern – auch in unseren ganz unscheinbaren Äußerungen und Handlungen.

Hier ein Beispiel:

Ihr habt in eurem Garten ein Beet mit Erdbeeren angelegt, die noch nicht ganz reif sind. Deine 3-jährige Tochter Lina läuft in die Küche und holt Schlagsahne. Die will sie zu den Erdbeeren schütten, weil „die schmecken mit Sahne so gut“.

Auf dieses Verhalten wirst du in irgendeiner Weise reagieren. Vorstellbar sind verschiedene Varianten, einige könnten sein:

a) Du lachst laut auf und hält sie mit den Worten zurück: „Bleib hier, das mit der Sahne funktioniert doch nicht.“

b) Du sagst: „Gute Idee, was glaubst du, was daraus werden wird?“

c) Du schüttelst den Kopf und sprichst von Verschwendung und einer dummen Idee.

Wenn du jetzt diese drei Möglichkeiten daraufhin untersucht, welches Bild vom Kind jeweils dahinter steht, wirst du heraushören:

a) Lina ist ja ganz lustig, aber unerfahren. Sie weiß noch nicht, dass Sahne nicht mit unreifen Erdbeeren gegessen werden kann.

b) Lina bringt Vorerfahrungen über Erdbeeren und Schlagsahne mit, die sie in dieser für sie neuen Situation zusammenführt – eine kreative Leistung.

c) Lina hat keine Ahnung von der Aussichtslosigkeit ihrer Überlegung. Und dass es Geld kosten würde und ist überhaupt immer etwas „daneben“.

Lina wiederum hört „zwischen den Zeilen“, welche Beziehungsbotschaft du gerade an sie richtest. Ihre Schlussfolgerungen könnten sein:

a) Ich bin dumm und sollte lieber vorsichtig mit meinen Ideen sein.

b) Sie interessiert sich für mich, nimmt mich ernst, lacht mich nicht aus und schimpft auch nicht.

c) Irgendwas habe ich falsch gemacht. Ich verstehe aber nicht, was.

Wie auch immer du die Situation gestaltest, dein Modell vom Kind beeinflusst stark deine pädagogische Beziehung. Du bewertest vor allem die Äußerungen und Handlungen des Kindes, und das Kind spürt diese Bewertung. Und wie du bereits weißt, beobachte dein Kind diese Äußerungen und Handlungen und integriert diese in das Selbst- und Weltbild.

Nur nicht in Stress geraten

Keine Panik, nicht jede Äußerung oder Handlung wird gleich die Überzeugungen deines Kindes erschüttern. Wir sind alle Menschen, die je nach Situation und Persönlichkeit reagieren. Wenn du mal etwas „Doofes“ sagst oder machst, ist das sicher kein Weltuntergang und richtet nicht gleich einen nie wieder gut zu machenden Schaden an.

Aber deine Grundhaltung wirkt sich sehr wohl. Hier lohnt es sich, diese noch mal genauer zu betrachten. Damit du auch das für dein Kind, für die Erziehung und für euch als Familie erreichst, was du gerne erreichen und umsetzen möchtest.

Wie siehst du dein Kind? Findest du meine Aufstellung passend oder ist sie völlig an der Realität vorbei? Ich bin auch deine Meinung gespannt.

Wenn du mehr erfahren möchtest, findest du viele Antworten bei MUM´s Secrets.

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Petra Baron

Ohne den festen Willen, dass es meinen Kindern mal besser gehen soll und dass sie glücklich werden, hätte ich nicht so viel gelernt. Erst jetzt verstehe ich, dass meine Eltern mir vielleicht gerne gezeigt hätten, wie ich glücklich werde, es aber selber nicht wussten. Und das sollte sich nicht wiederholen.

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