Wie wird aus Berufserfahrung ein Buch?

Von Petra Baron

Wie wird aus Berufserfahrung ein Buch?

Irgendwann blickst Du auf Deine Arbeit anders als noch vor zehn Jahren.


Du hast Entscheidungen getroffen, Entwicklungen erlebt und oft genug gesehen, was funktioniert und was nicht. Manche Dinge beurteilst Du heute völlig anders als früher. Bei anderen weißt Du inzwischen sehr genau, worauf es ankommt.


Und vielleicht entsteht genau dann der Gedanke:


Darüber könnte ich eigentlich ein Buch schreiben.


Die Frage ist nur: Worüber ganz genau?


Denn entscheidend ist nicht, wie viel Du erlebt hast. Entscheidend ist, was davon für einen Leser relevant ist und was Du ihm damit sagen willst.


Kann man ein Buch über die eigene Berufserfahrung schreiben?

Natürlich. Aber das bedeutet nicht, dass Du Dein Berufsleben von vorne bis hinten erzählen musst.

Interessant wird es dort, wo aus einzelnen Erlebnissen etwas entstanden ist, das über die jeweilige Situation hinausgeht.


Vielleicht hast Du über Jahre beobachtet, warum bestimmte Entscheidungen immer wieder scheitern. Vielleicht hast Du Deine Art zu führen verändert. Vielleicht arbeitest Du heute nach Prinzipien, die Du am Anfang Deiner Laufbahn noch nicht hattest.


Genau dort beginnt der Stoff, der auch für andere interessant werden kann.

Muss ein Buch über Berufserfahrung autobiografisch sein?

Nein.


Du kannst Deine Erfahrungen nutzen, ohne Deine berufliche Geschichte chronologisch zu erzählen. Entscheidend ist, welche Rolle Deine Erlebnisse im Buch übernehmen.


Manche Geschichten erklären, wie Du zu einer bestimmten Haltung gekommen bist. Andere zeigen, warum Du heute anders entscheidest. Wieder andere machen einen Zusammenhang sichtbar, den ein Leser sonst nur theoretisch verstehen würde.


Deine Erfahrung ist also nicht automatisch der Inhalt des Buches. Sie kann das Material sein, mit dem Du Deine Aussage verständlich machst.


Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer beruflichen Biografie und einem Expertenbuch: Bei der Biografie steht Dein Weg im Mittelpunkt. Beim Expertenbuch steht die Frage im Mittelpunkt, was der Leser aus Deinem Weg für sich verstehen kann.

Für wen sind Deine Erfahrungen interessant?

Nicht für jeden.


Und das ist auch gar nicht nötig.


Ein junger Manager liest ein Buch über Führung mit anderen Fragen als ein Unternehmer, der gerade die Nachfolge regelt. Eine Selbstständige interessiert sich für andere Erfahrungen als jemand, der selbst ein Team mit 200 Mitarbeitenden führt.


Deshalb verändert sich der Blick auf Deine eigene Geschichte, sobald klar ist, für wen Du schreibst.

Was für den einen Leser zentral ist, kann für einen anderen völlig nebensächlich sein.


Erst wenn der Leser klarer wird, kannst Du entscheiden, welche Erfahrungen in diesem Buch wirklich etwas beitragen.

Welche Erfahrungen gehören in Dein Buch?

Nicht automatisch die wichtigsten in Deinem Leben.


Für das Buch zählt, welche Erfahrungen Deinem Leser helfen, Deinen Gedanken zu verstehen.


Eine große berufliche Entscheidung kann für Dich prägend gewesen sein und im Buch trotzdem kaum eine Rolle spielen. Eine kleine Situation aus einem Gespräch kann dagegen genau das Beispiel sein, an dem ein Leser plötzlich versteht, worauf Du hinauswillst.


Die Auswahl richtet sich deshalb nicht danach, was Dir besonders viel bedeutet.


Sie richtet sich danach, was der Leser braucht, damit Deine Aussage für ihn nachvollziehbar wird.

Wo fängst Du an, wenn Du Deine Erfahrungen als Buch veröffentlichen willst?

Nicht mit der Gliederung.


Zuerst brauchst Du eine klare Antwort auf vier Fragen:

  1. Für wen schreibst Du dieses Buch?
  2. Was soll dieser Leser nach dem Buch verstanden haben, was vorher noch nicht klar war?
  3. Welche Erfahrungen helfen ihm genau dabei?
  4. In welcher Reihenfolge muss er diese Zusammenhänge verstehen?


Erst daraus entsteht eine sinnvolle Struktur


Wenn Du direkt mit Kapiteln beginnst, bevor diese Fragen geklärt sind, sortierst Du Material. Du entwickelst noch kein Buch.


Die Gliederung kommt nicht am Anfang. Sie ist das Ergebnis der Entscheidungen davor.


Wann aus Berufserfahrung ein Buch wird

Ein Buch entsteht dann, wenn aus Deiner Erfahrung mehr wird als eine Sammlung von Erlebnissen.

Wenn Du sagen kannst, was Du heute anders siehst, welche Zusammenhänge Du erkannt hast und was davon für einen bestimmten Leser wirklich relevant ist, hast Du die Grundlage.


Dann geht es nicht mehr darum, möglichst viel unterzubringen.


Es geht darum, aus Deiner Erfahrung genau das Buch zu entwickeln, das Deine Aussage trägt und Deinem Leser einen klaren Weg zeigt.


Wenn Du genau an diesem Punkt stehst, ist die Buchstrategie Intensiv der nächste Schritt.


Mehr zur Buchstrategie Intensiv

Petra Baron