Expertenbuch schreiben: Was vor dem ersten Kapitel entschieden sein muss

Von Petra Baron

Du kannst ein Expertenbuch nicht sinnvoll anfangen, indem Du einfach Dein Wissen sortierst und losschreibst.


Genau das machen viele.


Sie haben Notizen, alte Vorträge, LinkedIn-Beiträge, Konzepte, Erfahrungen und jede Menge Ideen. Dann versuchen sie daraus eine Gliederung zu bauen.


Und irgendwann wird aus einem Buchprojekt eine Sammlung von allem, was sie wissen.

Bevor Du Dein Expertenbuch schreibst, musst Du deshalb einige Entscheidungen treffen. Nicht über Schriftgröße, Schreibprogramm oder Veröffentlichungsform. Sondern darüber, welches Buch Du eigentlich schreibst.

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Schritt 1: Entscheide, welches Problem dieses Buch bearbeitet


Bevor Du über Kapitel, Titel oder Umfang nachdenkst, brauchst Du eine andere Entscheidung:

Welches konkrete Problem soll dieses Buch für Deinen Leser bearbeiten?

Viele Experten starten bei ihrem eigenen Wissen. Sie überlegen, was sie alles erklären könnten, welche Themen dazugehören und was auf keinen Fall fehlen darf.

Das ist verständlich. Aber genau dadurch wird ein Buch schnell zu groß.

Der bessere Ausgangspunkt ist der Leser.


Was beschäftigt ihn gerade?

Wo kommt er nicht weiter?

Was versteht er noch nicht?

Welche Entscheidung fällt ihm schwer?


Je genauer Du dieses Problem benennen kannst, desto leichter wird später die Auswahl Deiner Inhalte.


Denn dann musst Du nicht mehr fragen:

„Was weiß ich alles zu diesem Thema?“


Sondern:

„Was braucht mein Leser, um an diesem Punkt weiterzukommen?“


Das ist ein Unterschied.

Und genau hier beginnt die eigentliche Buchstrategie.


Schritt 2: Bestimme, wo Dein Leser steht


Wenn Du weißt, welches Problem Dein Buch bearbeiten soll, kommt die nächste Frage:


Wo steht Dein Leser gerade?


Es reicht nicht zu wissen, dass Du zum Beispiel für Coaches, Unternehmer oder Führungskräfte schreibst.

Zwei Menschen können zur gleichen Zielgruppe gehören und trotzdem an völlig unterschiedlichen Punkten stehen.


Der eine weiß schon ziemlich genau, was sein Problem ist und sucht nach einer konkreten Lösung.

Der andere merkt nur, dass etwas nicht funktioniert, kann aber noch gar nicht benennen, woran es liegt.

Und genau das verändert, was Du erklären musst.


Frag Dich deshalb:

  • Was weiß mein Leser bereits?
  • Was glaubt er über sein Problem?
  • Was hat er vielleicht schon ausprobiert?
  • Was fehlt ihm noch, um den nächsten Schritt gehen zu können?


Du schreibst Dein Buch nicht für eine Zielgruppe auf dem Papier.

Du schreibst für einen Menschen, der an einem bestimmten Punkt steht.


Diesen Ausgangspunkt nenne ich den Leserstandort. Wie Du ihn für Dein Buch konkret bestimmst, zeige ich ausführlicher im Beitrag „Wie Du die richtige Zielgruppe für Dein Buch findest“.


Wenn Du diesen Punkt kennst, kannst Du viel genauer entscheiden, wo Dein Buch beginnen muss.


Schritt 3: Begrenze Dein Buchthema


Wenn Du weißt, welches Problem Dein Buch bearbeiten soll und wo Dein Leser steht, kannst Du entscheiden, welcher Teil Deines Wissens in dieses Buch gehört.


Genau das fällt vielen Experten schwer.


Denn sobald sie über ihr Thema nachdenken, ploppen immer neue Aspekte auf. Noch ein wichtiger Gedanke. Noch ein Beispiel. Noch ein Modell, das eigentlich auch dazugehört.

Und irgendwann wird aus einem Buchthema ein riesiges Wissensgebiet.


Die Frage ist deshalb nicht:

„Was könnte ich alles zu diesem Thema schreiben?“


Sondern:

„Was braucht mein Leser für genau dieses Problem und genau an diesem Punkt?“


Das bedeutet auch, Dinge wegzulassen, die fachlich richtig und interessant sind.

Nicht jeder gute Gedanke gehört in dieses Buch.

Nicht jede Erfahrung muss hinein.

Und nicht alles, was Deine Expertise zeigt, hilft Deinem Leser gerade weiter.


Kompetenz zeigt sich in der Auswahl.


Je genauer Du Dein Buchthema begrenzt, desto leichter wird im nächsten Schritt die Entscheidung, was Dein Leser in welcher Reihenfolge verstehen muss.


Schritt 4: Lege fest, was Dein Leser in welcher Reihenfolge verstehen muss


Jetzt weißt Du, welches Problem Dein Buch bearbeitet, wo Dein Leser steht und welcher Teil Deines Wissens tatsächlich in dieses Buch gehört.

Erst jetzt wird die Struktur interessant.

Viele beginnen an dieser Stelle mit Kapitelüberschriften. Sie sammeln Themen und versuchen anschließend, daraus eine sinnvolle Reihenfolge zu bauen.

Ich würde andersherum vorgehen.


Frag Dich zuerst:

Was muss mein Leser als Erstes verstehen, damit der nächste Gedanke für ihn überhaupt Sinn ergibt?


Und was muss danach kommen?


Ein Buch ist kein Archiv, in dem Du Dein Wissen möglichst ordentlich ablegst.

Es ist ein Weg.


Dein Leser startet an einem bestimmten Punkt. Von dort aus gehst Du mit ihm Schritt für Schritt weiter.

Manchmal bedeutet das, dass ein Thema, das für Dich selbstverständlich ist, sehr früh erklärt werden muss.

Manchmal gehört ein spannendes Thema erst viel später ins Buch, weil dem Leser vorher noch etwas fehlt.

Und manchmal merkst Du dabei, dass ein Kapitel, das Du unbedingt einbauen wolltest, für diesen Weg gar nicht notwendig ist.


Eine gute Struktur entsteht deshalb nicht dadurch, dass alle wichtigen Themen einen Platz bekommen.

Sie entsteht dadurch, dass jeder Abschnitt den nächsten vorbereitet.


Erst wenn diese Reihenfolge steht, würde ich daraus Kapitel und Unterkapitel entwickeln.


Wie daraus eine konkrete Gliederung mit einem tragfähigen roten Faden entsteht, zeige ich im Beitrag „Die richtige Buchstruktur finden: So entwickelst Du einen roten Faden, der Leser fesselt“.


Schritt 5: Entscheide, was ins Buch gehört und was draußen bleibt


Wenn die Reihenfolge steht, kommt eine Entscheidung, die oft schwerer ist als das Schreiben selbst:

Was kommt wirklich ins Buch?


Gerade als Expertin oder Experte hast Du meistens mehr Material, als Du brauchst.

Notizen, Beispiele, Methoden, Erfahrungen, Studien, Geschichten, Übungen, Modelle. Vieles davon ist gut. Vieles davon könnte interessant sein.

Aber das heißt noch lange nicht, dass alles in dieses Buch gehört.


Prüfe deshalb jeden Inhalt mit einer einfachen Frage:

Braucht mein Leser das, um an dieser Stelle weiterzukommen?


Wenn die Antwort nein ist, darf der Inhalt draußen bleiben.

Auch dann, wenn er fachlich wichtig ist.

Auch dann, wenn Du ihn besonders gern erklärst.

Auch dann, wenn er zeigt, wie viel Du weißt.


Ein Expertenbuch muss nicht Dein gesamtes Wissen abbilden.


Es braucht genau die Inhalte, die dem Leser helfen, den Weg zu gehen, den Du für dieses Buch festgelegt hast.


Alles andere macht das Buch größer, aber nicht automatisch besser. Und manchmal ist genau das Weglassen die wichtigste Entscheidung.


Schritt 6: Halte Dein Buchkonzept fest


Bis hierhin hast Du eine Menge Entscheidungen getroffen.

Du weißt, welches Problem Dein Buch bearbeitet, wo Dein Leser steht, welchen Ausschnitt Deines Wissens Du brauchst und in welcher Reihenfolge Du ihn durch das Thema führen willst.

Jetzt würde ich das festhalten.

Nicht nur im Kopf.


Und auch nicht verteilt über Notizen, verschiedene Dateien und Sprachnachrichten.

Erstelle Dir ein Buchkonzept, in dem die wichtigsten Entscheidungen an einem Ort stehen.


Dazu gehören:

  • Das zentrale Problem: Wobei soll Dein Buch dem Leser helfen?
  • Der Leserstandort: Wo steht dieser Mensch, wenn er Dein Buch aufschlägt?
  • Das Buchthema: Welchen konkreten Ausschnitt Deiner Expertise behandelst Du?
  • Das Ziel: Wo soll der Leser am Ende stehen, was soll er verstanden haben oder anders machen können?
  • Die inhaltliche Reihenfolge: Welche Schritte oder Gedanken braucht er auf dem Weg dorthin?
  • Die Grenze: Welche Themen gehören bewusst nicht in dieses Buch?


Warum ich das für so wichtig halte?

Weil beim Schreiben neue Ideen kommen werden.

Garantiert.


Plötzlich fällt Dir noch ein Beispiel ein. Ein weiteres Thema scheint wichtig. Vielleicht möchtest Du ein Kapitel ergänzen oder die Richtung verändern.


Dann brauchst Du etwas, woran Du prüfen kannst:

Hilft das meinem Leser auf dem Weg, den ich für dieses Buch festgelegt habe?


Dein Buchkonzept ist kein starres Dokument, das Du nie wieder verändern darfst.


Aber es sorgt dafür, dass Du nicht bei jeder neuen Idee wieder ganz von vorne anfängst.


Und erst wenn diese Entscheidungen stehen, würde ich mit dem eigentlichen Schreiben beginnen.


Und wo kommt KI ins Spiel?


KI kann Dich beim Buchprojekt unterstützen. Sie kann Gedanken sortieren, Varianten entwickeln, Strukturen prüfen oder bei der Überarbeitung helfen.


Die grundlegenden Entscheidungen über Dein Buch nimmt sie Dir allerdings nicht ab.


Welches Problem Du bearbeiten willst, welchen Teil Deiner Expertise Du brauchst, was draußen bleibt und welchen Weg Dein Leser gehen soll, musst Du fachlich entscheiden.


Wo KI beim Buchschreiben wirklich hilfreich ist und wo ich ihre Grenzen sehe, findest Du in „Expertenbuch mit KI schreiben: Was wirklich funktioniert“.


Fazit: Dein Expertenbuch beginnt mit Entscheidungen


Ein Expertenbuch entsteht nicht dadurch, dass Du möglichst schnell mit dem Schreiben anfängst.


Es beginnt früher.


Bei der Frage, welches Problem Dein Buch bearbeiten soll.

Bei der Entscheidung, für welchen Leser Du schreibst und wo dieser Mensch gerade steht.

Bei der Auswahl dessen, was wirklich ins Buch gehört.


Und bei der Reihenfolge, in der Dein Leser Dein Wissen überhaupt verstehen kann.

Erst wenn diese Entscheidungen stehen, wird aus vielen Ideen ein Buchprojekt.


Dann weißt Du nicht nur, worüber Du schreiben willst.


Du weißt auch, welches Buch daraus werden soll und wie Du Deinen Leser durch dieses Buch führst.

Genau das ist für mich Buchstrategie.


Häufige Fragen zum Expertenbuch


Wie lange dauert es, ein Expertenbuch zu schreiben?

Das lässt sich nicht seriös mit einer festen Zahl beantworten.

Es hängt davon ab, wie klar Dein Buchkonzept schon ist, wie viel Material vorhanden ist, wie viel Zeit Du regelmäßig investieren kannst und wie aufwendig das Manuskript wird.


Ein wichtiger Punkt wird dabei oft unterschätzt:

Wenn die grundlegenden Entscheidungen vor dem Schreiben noch nicht getroffen sind, kostet das später meistens deutlich mehr Zeit.


Dann wird während des Schreibens immer wieder umgebaut, ergänzt, gestrichen und neu sortiert.

Je klarer Dein Buch vor dem ersten Kapitel geplant ist, desto einfacher lässt sich der eigentliche Schreibprozess organisieren.


Wie lang sollte ein Expertenbuch sein?


Es gibt keine Seitenzahl, die ein Expertenbuch automatisch gut macht.

Die richtige Länge ergibt sich aus dem Thema, dem Leser und dem Problem, das Du mit Deinem Buch bearbeiten willst.

Ein Buch sollte nicht deshalb länger werden, weil Du noch mehr Wissen unterbringen könntest.

Entscheidend ist, ob der Leser alles bekommt, was er braucht, um Deinem Gedankengang zu folgen und das Thema wirklich zu verstehen.


Brauche ich vor dem Schreiben schon eine Gliederung?


Du brauchst eine Struktur.

Aber ich würde nicht mit Kapitelüberschriften anfangen.

Zuerst sollte feststehen, wo Dein Leser startet, was er verstehen muss und in welcher Reihenfolge er diese Informationen braucht.

Daraus lässt sich anschließend eine Gliederung entwickeln.

So entsteht die Struktur aus dem Weg des Lesers und nicht aus einer Sammlung Deiner Themen.


Was ist der Unterschied zwischen einer Buchidee und einem Buchkonzept?


Eine Buchidee beschreibt zunächst, worüber Du schreiben möchtest.

Ein Buchkonzept geht deutlich weiter.


Es legt fest, welches Problem das Buch behandelt, für welchen Leser es geschrieben wird, wo dieser Leser steht, welche Inhalte er braucht und in welcher Reihenfolge Du ihn durch das Thema führst.


Damit wird aus einer interessanten Idee ein konkretes Buchprojekt.


Buchstrategie Intensiv

Petra Baron