Die 5 größten Fehler beim Schreiben eines Expertenbuchs – und wie du sie vermeidest

Von Petra Baron

Du sitzt an Deinem Manuskript und eigentlich ist alles da.

Du kennst Dein Thema. Du hast jahrelange Erfahrung. Du könntest wahrscheinlich noch fünf weitere Kapitel schreiben.


Und genau das kann zum Problem werden.


Denn beim Expertenbuch entsteht Qualität nicht dadurch, dass möglichst viel Wissen im Manuskript landet. Entscheidend ist, was Dein Leser davon braucht und wie Du ihn durch dieses Wissen führst.


Einige Fehler sehe ich bei Expertenmanuskripten besonders häufig. Sie entstehen gerade deshalb, weil die Autorinnen und Autoren ihr Thema sehr gut kennen.


Hier sind fünf davon und woran Du sie in Deinem eigenen Manuskript erkennst.


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Fehler 1: Du schreibst, um Dein Wissen zu zeigen

Wenn Du seit vielen Jahren in Deinem Fachgebiet arbeitest, hast Du einen riesigen Wissensvorrat.

Studien, Modelle, Methoden, Erfahrungen, Sonderfälle, Geschichten aus der Praxis. Alles davon könnte interessant sein.


Also kommt immer noch etwas dazu.


Das Problem: Dein Leser hat Dein Buch nicht gekauft, um zu erfahren, was Du alles weißt.


Er liest, weil er etwas verstehen, einordnen, verändern oder lösen möchte.


Ein Beispiel:

Eine Ernährungsberaterin schreibt ein Buch für Frauen, die nach zahlreichen Diäten nicht mehr wissen, wie sie eigentlich vernünftig essen sollen.

Im Kapitel über Hunger könnte sie ausführlich erklären, welche Hormone beteiligt sind, wie der Stoffwechsel reguliert wird und welche wissenschaftlichen Modelle es dazu gibt.

Das kann fachlich alles richtig sein.


Für ihre Leserin stellt sich aber zunächst eine viel einfachere Frage:


Woran erkenne ich überhaupt, ob ich körperlich hungrig bin oder gerade aus Gewohnheit, Stress oder Frust essen möchte?


Genau dort muss das Buch ansetzen.


Die fachlichen Hintergründe kommen dann ins Spiel, wenn sie der Leserin helfen, diese Frage besser zu verstehen.


So vermeidest Du diesen Fehler


Prüfe bei jedem größeren Abschnitt:

Warum braucht mein Leser diese Information?


Wenn Deine beste Antwort lautet: „Weil das zu meinem Thema gehört“, reicht das noch nicht.


Eine Information gehört dann ins Buch, wenn sie für den Weg Deines Lesers eine Aufgabe übernimmt.


Welche Entscheidungen Du treffen solltest, bevor Du überhaupt mit dem Schreiben beginnst, zeige ich in „Expertenbuch schreiben: Was vor dem ersten Kapitel entschieden sein muss“.


Fehler 2: Du behandelst alles Wichtige gleich ausführlich

Ein Thema kann wichtig sein und trotzdem nur drei Absätze brauchen.


Das klingt banal. Beim Schreiben eines Expertenbuchs ist es erstaunlich schwer.


Denn als Expertin oder Experte kennst Du die Bedeutung vieler Aspekte Deines Themas. Dadurch entsteht schnell der Eindruck:


Wenn es wichtig ist, muss ich es ausführlich erklären.


So wachsen Kapitel.


Ein zentraler Gedanke bekommt fünf Seiten. Eine interessante Ausnahme ebenfalls. Ein historischer Hintergrund bekommt vier Seiten. Danach folgen noch zwei Studien und ein Exkurs.


Für den Leser sieht alles gleich wichtig aus.


Stell Dir Dein Buch wie eine Führung vor


Wenn Du jemandem eine Stadt zeigst, bleibst Du nicht vor jedem Gebäude gleich lange stehen.

An manchen gehst Du vorbei.

Bei anderen sagst Du zwei Sätze.

Und bei einigen bleibst Du stehen, weil genau dort etwas Entscheidendes zu verstehen ist.

Mit Deinem Wissen ist es genauso.


Du musst Deinem Leser durch die Gewichtung zeigen:


Hier solltest Du genauer hinsehen. Das hier ist Hintergrund. Und das hier kannst Du wissen, musst Du aber nicht fünf Seiten lang studieren.


So vermeidest Du diesen Fehler


Markiere bei der Überarbeitung eines Kapitels:

  • Was ist der zentrale Gedanke?
  • Was braucht der Leser, um ihn zu verstehen?
  • Was ist lediglich Hintergrund?
  • Was ist eine Ausnahme?
  • Was ist interessant, aber für dieses Buch verzichtbar?


Du wirst wahrscheinlich Inhalte finden, die fachlich richtig und interessant sind und trotzdem raus können.

Das ist kein Verlust an Expertise.


Es ist redaktionelle Entscheidungskraft.


Fehler 3: Du nennst das Ergebnis, aber Dein Denkweg bleibt unsichtbar

Das ist einer der spannendsten Fehler in Expertenbüchern.

Je länger Du in Deinem Fach arbeitest, desto schneller erkennst Du bestimmte Muster.

Du hörst eine Situation und denkst:


Da liegt das eigentliche Problem.


Oder:


Diese Methode würde ich hier auf keinen Fall einsetzen.


Für Dich ist die Einschätzung logisch.

Dein Leser kennt aber die Überlegungen nicht, die Dich zu diesem Ergebnis geführt haben.

Wenn Du ihm nur Deine Schlussfolgerung gibst, bekommt er eine Antwort.


Er lernt aber nicht, selbst so zu denken.


Ein Beispiel

Eine Unternehmensberaterin schreibt:

In dieser Situation sollte die Geschäftsführung nicht sofort einen weiteren Veränderungsprozess starten.


Das ist eine Empfehlung.


Interessanter wird das Buch, wenn sie erklärt, woran sie ihre Einschätzung festmacht:


Wenn in den vergangenen zwei Jahren bereits drei Veränderungsprojekte begonnen wurden, keines davon sauber abgeschlossen wurde und die Mitarbeiter auf die nächste Ankündigung nur noch mit Schulterzucken reagieren, würde ich nicht mit dem vierten Projekt starten. Zuerst müsste geklärt werden, warum die bisherigen Veränderungen versandet sind.


Jetzt bekommt der Leser nicht nur eine Meinung.


Er erkennt die Kriterien hinter der Entscheidung.


Genau dort steckt häufig Deine wertvollste Expertise


Deine Methode kann vielleicht auch jemand googeln.

Deine Checkliste möglicherweise ebenfalls.


Wie Du solche Kriterien, Unterschiede und Einordnungen für Deinen Leser nachvollziehbar machst, zeige ich ausführlicher in „Expertenbuch verständlich schreiben: Wie Du Fachwissen für Leser übersetzt“.


Schwieriger zu ersetzen ist die Erfahrung, mit der Du erkennst:

Wann gilt etwas? Wann gilt es nicht? Worauf achte ich zuerst? Welche Signale verändern meine Einschätzung?


Diese Denkwege gehören in ein gutes Expertenbuch.


So vermeidest Du diesen Fehler


Wenn Du im Manuskript eine Empfehlung aussprichst, frag Dich:

Woran erkenne ich, dass diese Empfehlung hier richtig ist?


Und anschließend:

Habe ich meinem Leser diese Kriterien erklärt?

So wird aus einer Sammlung von Tipps ein Buch, das tatsächlich Expertise vermittelt.


Fehler 4: Derselbe Gedanke taucht immer wieder auf

Beim Schreiben merkst Du es oft kaum.

  • Ein Gedanke passt hervorragend in Kapitel 2.
  • In Kapitel 5 berührt ein anderes Thema denselben Punkt, also erklärst Du ihn noch einmal.
  • In Kapitel 8 brauchst Du ihn wieder als Voraussetzung.

Am Ende steht derselbe Grundgedanke dreimal im Manuskript, jeweils etwas anders formuliert. Das passiert besonders häufig bei Themen, die eng miteinander verbunden sind.


Wiederholung ist nicht automatisch schlecht

Manchmal ist es sinnvoll, einen früheren Gedanken wieder aufzugreifen.

Entscheidend ist, ob der Leser beim zweiten Mal etwas Neues bekommt.

Wenn Du nur erneut erklärst, was bereits erklärt wurde, wird das Buch länger.

Wenn Du dagegen auf einem bekannten Gedanken aufbaust und ihn weiterführst, entwickelt sich das Buch.

Der Unterschied lässt sich an zwei Sätzen zeigen:

Wie bereits beschrieben, ist Vertrauen in Veränderungsprozessen wichtig.

Das wiederholt.

Im vorherigen Kapitel ging es darum, wie Vertrauen verloren geht. Jetzt schauen wir darauf, woran Du erkennst, ob genug Vertrauen vorhanden ist, um den nächsten Schritt einzuleiten.

Das führt weiter.


So vermeidest Du diesen Fehler

Wenn Dir beim Schreiben ein Gedanke bekannt vorkommt, suche im Manuskript danach.

Dann entscheide:

Wo gehört dieser Gedanke hauptsächlich hin?

Dort erklärst Du ihn vollständig.

An späterer Stelle kannst Du darauf Bezug nehmen und ihn weiterentwickeln.

So bekommt jedes Kapitel eine eigene Aufgabe, statt bereits Gesagtes neu zu verpacken.

Wie Du diese Aufgaben aus dem Weg Deines Lesers entwickelst und daraus die Kapitel ableitest, zeige ich in „Die richtige Buchstruktur finden: So entsteht der rote Faden für Dein Expertenbuch“.

Fehler 5: Du willst jeden Absatz sofort perfekt schreiben

Du schreibst drei Sätze.

Dann liest Du sie noch einmal.


Du änderst ein Wort.

Der zweite Satz gefällt Dir nicht mehr.


Du formulierst ihn um, liest den Absatz erneut und stellst plötzlich fest, dass der Einstieg auch besser gehen müsste. Nach einer Stunde hast Du eine halbe Seite.


Und bist erschöpft.


Das Problem ist nicht unbedingt eine Schreibblockade.


Du versuchst gerade, mehrere unterschiedliche Aufgaben gleichzeitig zu erledigen.


Beim ersten Entwurf geht es darum, einen Gedanken aufs Papier zu bekommen.


Beim Überarbeiten prüfst Du, ob er verständlich, präzise und an der richtigen Stelle ist.


Beim sprachlichen Feinschliff geht es um Formulierungen, Rhythmus und einzelne Wörter.


Wenn Du all das gleichzeitig erledigen willst, bremst Du Dich bei jedem Absatz selbst aus.


Manche Probleme lassen sich außerdem nicht auf Satzebene lösen

Vielleicht feilst Du zwanzig Minuten an einem Absatz, der später komplett verschwindet, weil Du feststellst, dass der ganze Abschnitt nicht in dieses Kapitel gehört.


Oder Du versuchst einen Übergang zu retten, obwohl eigentlich zwei Kapitel falsch angeordnet sind.

Dann hilft auch der schönste Satz nicht.


So vermeidest Du diesen Fehler


Trenne die Arbeitsschritte stärker voneinander.


Beim Schreiben fragst Du:

Ist der Gedanke da?


Beim inhaltlichen Überarbeiten:

Braucht der Leser ihn, versteht er ihn und steht er an der richtigen Stelle?


Erst danach:

Wie kann ich ihn sprachlich besser formulieren?


Das nimmt dem ersten Entwurf den Anspruch, bereits druckreif sein zu müssen.


Woran erkennst Du, wo Dein Manuskript gerade hakt?

Wenn Du beim Schreiben nicht weiterkommst, hilft es wenig, einfach mehr Disziplin zu fordern.

Schau genauer hin.


Frag Dich:


Habe ich zu viel Wissen im Manuskript, weil ich mich nicht entscheiden möchte?

Sind Hauptgedanken und Hintergrundinformationen gleich gewichtet?

Erkläre ich meinem Leser meine Denkwege oder nur meine Ergebnisse?

Wiederhole ich Gedanken, weil die Aufgaben meiner Kapitel noch nicht klar genug voneinander getrennt sind?

Oder versuche ich gerade, einen Rohtext wie einen fertigen Buchtext zu behandeln?


Je nachdem, welche Antwort Du gibst, brauchst Du eine andere Lösung.


Und genau deshalb ist „Ich komme mit meinem Buch nicht voran“ noch keine besonders hilfreiche Diagnose.


Fazit: Gute Expertenbücher zeigen nicht alles, was der Autor weiß

Die größte Herausforderung beim Expertenbuch ist selten fehlendes Wissen.


Meistens ist reichlich davon vorhanden.


Die eigentliche Arbeit besteht darin, dieses Wissen zu gewichten, auszuwählen und so aufzubereiten, dass der Leser Deinem Denken folgen kann.


Dazu gehört auch, Inhalte wegzulassen.


Es gehört dazu, einen Gedanken nur dort ausführlich zu behandeln, wo er hingehört.


Und es gehört dazu, nicht nur Ergebnisse zu präsentieren, sondern die Erfahrung und die Kriterien sichtbar zu machen, die hinter Deinen Entscheidungen stehen.


Denn genau dort wird ein Expertenbuch interessant:


Wenn Dein Leser nach der Lektüre nicht nur mehr über Dein Thema weiß, sondern etwas davon gelernt hat, wie Du darüber denkst.


Häufige Fragen zu Fehlern beim Schreiben eines Expertenbuchs

Was ist der häufigste Fehler beim Schreiben eines Expertenbuchs?


Ein besonders häufiger Fehler ist, vom eigenen Wissen statt vom Bedarf des Lesers auszugehen. Dadurch landen viele fachlich interessante Inhalte im Manuskript, ohne dass klar ist, welche Aufgabe sie für den Leser übernehmen.


Wie vermeide ich zu viele Inhalte in meinem Expertenbuch?


Prüfe bei jedem größeren Inhalt, warum Dein Leser ihn braucht. „Das gehört zu meinem Fachgebiet“ ist noch kein ausreichender Grund. Entscheidend ist, ob die Information dem Leser hilft, etwas zu verstehen, einzuordnen oder den nächsten Schritt zu gehen.


Wie erkenne ich Wiederholungen in meinem Manuskript?


Prüfe, ob ein Gedanke in mehreren Kapiteln grundsätzlich erklärt wird. Bestimme dann, in welches Kapitel die ausführliche Erklärung gehört. Spätere Kapitel können darauf zurückgreifen, sollten den Gedanken aber weiterführen statt erneut erklären.


Sollte ich mein Buch schon beim Schreiben überarbeiten?


Kleine Korrekturen sind normal. Problematisch wird es, wenn Du jeden Absatz sprachlich perfektionieren möchtest, bevor der Gedanke oder die Funktion des Abschnitts geklärt ist. Inhaltliche Überarbeitung und sprachlicher Feinschliff funktionieren meist besser als getrennte Arbeitsschritte.


Mehr zur Buchstrategie Intensiv


Wenn Du viel Wissen für Dein Buch hast, aber noch nicht klar ist, was davon hineingehört, wie die Inhalte zusammenpassen und welchen Weg Dein Leser durch Dein Wissen nehmen soll, findest Du hier mehr zur Buchstrategie Intensiv.


Buchstrategie Intensiv

Petra Baron