Expertenbuch: Selbst veröffentlichen oder Verlag? Was ist besser für Dein Marketing?

Von Petra Baron

Du möchtest Dein Expertenbuch veröffentlichen und stehst irgendwann vor der Frage:


Suche ich einen Verlag oder veröffentliche ich selbst?


Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.


Denn Verlag und Self-Publishing sind nicht einfach zwei unterschiedlich gute Wege zum selben Ziel.

Sie geben Dir unterschiedliche Möglichkeiten und bringen unterschiedliche Bedingungen mit sich.


Für ein Expertenbuch würde ich deshalb nicht zuerst fragen:


„Was ist besser?“


Sondern:


„Was brauche ich von meinem Veröffentlichungsweg?“


Denn es macht einen Unterschied, ob Dein Buch vor allem im allgemeinen Buchmarkt bestehen soll, ob es eng mit Deinem Unternehmen verbunden ist oder ob Du möglichst viel Kontrolle darüber behalten möchtest, wie und wann Du es einsetzt.


Buch als Marketinginstrument – Petra Baron | Buch-Mentoring

Ein Verlag veröffentlicht nicht einfach Dein fertiges Buch

Wer an einen Verlag denkt, stellt sich manchmal vor:


Man schreibt das Manuskript, reicht es ein und der Verlag übernimmt anschließend Veröffentlichung und Vermarktung.


So einfach ist die Rollenverteilung nicht.


Ein Verlag entscheidet zunächst, ob das Buch überhaupt in sein Programm passt.


Dabei spielen nicht nur Qualität und Thema eine Rolle. Auch Programmplanung, Zielgruppe, Marktchancen und das Profil des Verlags sind relevant.


Wird Dein Buch angenommen, arbeitest Du anschließend nicht mehr allein an Deinem Projekt.


Titel, Cover, Umfang, Positionierung im Verlagsprogramm, Veröffentlichungstermin und weitere Entscheidungen werden Teil einer Zusammenarbeit.


Das kann ein großer Vorteil sein. Es bedeutet aber auch, dass Du nicht jede Entscheidung allein triffst.


Was für einen Verlag sprechen kann

Ein Verlag kann besonders interessant sein, wenn Dir bestimmte Dinge wichtig sind.


Zum Beispiel:


Du möchtest bewusst Teil eines Verlagsprogramms sein.

Ein passender Fach- oder Publikumsverlag kann Deinem Buch einen Kontext geben und Leser erreichen, die den Verlag oder sein Themenprogramm bereits kennen.


Der klassische Buchmarkt ist für Dein Ziel wichtig.

Wenn Dein Buch nicht nur für bestehende Kontakte, Kunden oder Interessenten gedacht ist, sondern im Buchmarkt selbst eine größere Rolle spielen soll, kann ein Verlag interessante Vertriebsstrukturen mitbringen.


Du möchtest bestimmte Aufgaben abgeben.

Je nach Verlag gehören beispielsweise Herstellung, Lektorat, Cover, technische Produktion und Vertrieb zum Prozess.

Welche Leistungen tatsächlich übernommen werden, solltest Du allerdings konkret mit dem jeweiligen Verlag klären.


Du willst diesen Veröffentlichungsweg ausdrücklich.

Auch das ist ein legitimer Grund. Für manche Autoren gehört der Wunsch, bei einem bestimmten Verlag oder überhaupt in einem klassischen Verlag zu erscheinen, zum eigenen Buchziel.


Dann sollte man diesen Wunsch nicht wegargumentieren, nur weil Self-Publishing mehr Kontrolle bietet.


Was für Self-Publishing sprechen kann

Beim Self-Publishing triffst Du wesentlich mehr Entscheidungen selbst.


Du bestimmst beispielsweise, wann Du veröffentlichst, wie das Buch gestaltet wird und welche Dienstleister Du für Lektorat, Satz, Cover oder andere Aufgaben beauftragst.


Auch den Verkaufspreis legst Du innerhalb der jeweiligen Vorgaben der Veröffentlichungsplattform fest. Bei KDP können Autorinnen und Autoren ihre Listenpreise selbst bestimmen. Tantiemen unterscheiden sich allerdings nach Format, Preis und Vertriebsmodell. Ein pauschales „Beim Self-Publishing bleiben 70 oder 100 Prozent bei Dir“ wäre deshalb schlicht falsch.


Für Expertenbücher kann diese Kontrolle besonders interessant sein.


Wenn Dein Buch eng mit Deinem Business verbunden ist

Nehmen wir an, Du bist Beraterin und möchtest Dein Buch in unterschiedlichen Situationen einsetzen.


Du willst es Interessenten schicken.

Du möchtest Exemplare bei Vorträgen dabeihaben.

Vielleicht möchtest Du Inhalte oder Hinweise im Buch später aktualisieren.

Oder Du möchtest den Zeitpunkt der Veröffentlichung mit Deinen eigenen Aktivitäten abstimmen.


Dann kann es hilfreich sein, selbst über viele dieser Dinge entscheiden zu können.


Das ist für mich eines der stärksten Argumente für Self-Publishing bei einem Expertenbuch:


Du kannst den Veröffentlichungsweg stärker an die Aufgabe Deines Buches anpassen.


Das bedeutet trotzdem nicht automatisch, dass Self-Publishing die bessere Wahl ist. Es bedeutet nur, dass Kontrolle in dieser Situation einen besonderen Wert haben kann.


Self-Publishing bedeutet nicht: alles selbst machen

Der Begriff führt leicht in die Irre. 


Selbst veröffentlichen heißt nicht zwangsläufig:


Man schreibt, lektoriert, gestaltet, setzt und veröffentlicht das gesamte Buch allein.


Du kannst professionelle Unterstützung für praktisch jeden Arbeitsschritt einkaufen.


Zum Beispiel für:

  • Lektorat und Korrektorat
  • Covergestaltung
  • Buchsatz
  • technische Veröffentlichung
  • Beratung zu Veröffentlichungswegen
  • PR oder Marketing


Der Unterschied liegt darin, wer diese Leistungen organisiert und die Entscheidungen trifft.

Beim Self-Publishing bist das letztlich Du.


Und genau deshalb sollte man diesen Weg nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Freiheit betrachten.

Du übernimmst auch Verantwortung.


Mehr Kontrolle ist nur dann ein Vorteil, wenn Du sie nutzen willst

„Beim Self-Publishing hast Du volle Kontrolle“ klingt zunächst grundsätzlich positiv.


Aber vielleicht möchtest Du diese Kontrolle gar nicht.


Vielleicht willst Du Dich nicht mit verschiedenen Dienstleistern, Dateiformaten, Veröffentlichung, Preisgestaltung und Produktionsfragen beschäftigen.


Dann kann die vermeintliche Freiheit schnell zu einer zusätzlichen Aufgabe werden.


Deshalb würde ich Kontrolle nicht automatisch als Vorteil verbuchen.


Die bessere Frage lautet:


Welche Entscheidungen möchte ich selbst treffen und welche bewusst abgeben?


Das ist erstaunlich ähnlich wie bei der Entscheidung zwischen selbst schreiben und Ghostwriting.


Ein Verlag übernimmt nicht automatisch Dein Marketing

Auch bei einem Verlag solltest Du nicht davon ausgehen, dass Du nach Vertragsabschluss mit der Vermarktung Deines Buches nichts mehr zu tun hast.


Wie viel ein Verlag für ein einzelnes Buch tut, hängt vom konkreten Verlag, Titel und vereinbarten Leistungen ab.


Gerade wenn Du Dein Expertenbuch auch für Dein eigenes Unternehmen nutzen möchtest, bleibt Deine eigene Kommunikation ohnehin wichtig.


Denn der Verlag kann Dein Buch vermarkten.


Deine Verbindung zwischen Buch und Deiner eigenen Arbeit kann er Dir aber nicht abnehmen.


Wenn Du beispielsweise möchtest, dass Menschen nach einem Vortrag weiterlesen, dass Dein Buch Gespräche vorbereitet oder bestimmte Aspekte Deiner Arbeitsweise erklärt, musst Du selbst entscheiden, wie das Buch dort eingesetzt wird.


Und wie sieht es mit dem Geld aus?

Auch hier würde ich keinen pauschalen Sieger ausrufen.


Beim Verlag erhältst Du die vertraglich vereinbarte Vergütung bzw. Beteiligung und der Verlag übernimmt dafür verschiedene Aufgaben und wirtschaftliche Risiken.


Beim Self-Publishing können die Erlöse pro verkauftem Exemplar höher ausfallen, gleichzeitig trägst Du Kosten für professionelle Leistungen und gegebenenfalls Produktion oder Marketing selbst.


Selbst innerhalb einer Plattform gibt es keine einfache Prozentzahl.


Bei Amazon KDP gibt es beispielsweise für E-Books unterschiedliche Tantiemenmodelle. Bei gedruckten Büchern werden unter anderem Druckkosten von der berechneten Tantieme abgezogen.


Für ein Expertenbuch würde ich die Entscheidung deshalb ohnehin nicht primär danach treffen, bei welchem Weg an einem einzelnen verkauften Exemplar mehr übrig bleibt.


Der Buchverkauf ist möglicherweise gar nicht die wichtigste wirtschaftliche Aufgabe dieses Buches.


Entscheidend ist, welchen Handlungsspielraum Dein Buch braucht

Stell Dir zwei Experten vor.


Der erste möchte ein Fachbuch schreiben, das möglichst gut in ein bestehendes Verlagsprogramm passt und über klassische Buchhandelswege Leser findet.


Der zweite möchte sein Buch regelmäßig in seiner Beratung einsetzen, Exemplare an Interessenten versenden und Veröffentlichung sowie Aktualisierungen eng mit seinem Unternehmen abstimmen.


Beide können hervorragende Bücher schreiben.


Trotzdem kann für sie ein anderer Veröffentlichungsweg sinnvoll sein. Darum würde ich die Entscheidung immer vom konkreten Buch aus treffen.


  • Welche Aufgabe soll es übernehmen?
  • Welche Leser willst Du erreichen?
  • Welche Vertriebswege sind dafür relevant?
  • Welche Entscheidungen möchtest Du selbst kontrollieren?
  • Welche Aufgaben möchtest Du abgeben?
  • Und wie wichtig ist Dir ein bestimmter Verlag?
  • Erst das Buch, dann der Veröffentlichungsweg

    Einen Fehler würde ich vermeiden:


    Den Veröffentlichungsweg entscheiden zu lassen, welches Buch Du schreibst, bevor Dein Buchkonzept überhaupt klar ist.


    Zuerst sollte feststehen, welches Buch entstehen soll, für wen es gedacht ist und welchen Weg der Leser darin nimmt.


    Welche Entscheidungen dafür vor dem ersten Kapitel geklärt sein sollten, zeige ich in Expertenbuch schreiben: Was vor dem ersten Kapitel entschieden sein muss“.


    Erst danach lässt sich sinnvoll prüfen, welcher Veröffentlichungsweg dieses Buch am besten unterstützt.


    Verlag oder Self-Publishing: eine einfache Entscheidungshilfe

    Prüfe einen Verlag besonders dann, wenn Du bewusst in einem passenden Verlagsprogramm erscheinen möchtest, klassische Verlagsstrukturen für Dein Ziel wichtig sind und Du bereit bist, Entscheidungen mit einem Verlag gemeinsam zu treffen.


    Prüfe Self-Publishing besonders dann, wenn Du einen hohen eigenen Entscheidungsspielraum brauchst, Dein Buch eng mit Deinem Business verzahnt ist und Du bereit bist, die Veröffentlichung selbst zu organisieren oder entsprechende Dienstleister zu beauftragen.


    Und wenn beides interessant klingt, musst Du Dich nicht aufgrund allgemeiner Aussagen im Internet entscheiden.


    Dann solltest Du konkret prüfen, welcher Weg zu diesem einen Buch passt.


    Häufige Fragen zu Verlag und Self-Publishing

    Ist ein Verlag grundsätzlich besser für ein Expertenbuch?


    Nein. Entscheidend sind Ziel, Leser, gewünschte Vertriebswege und die Rolle des Buches in Deinem Unternehmen. Für manche Projekte ist ein Verlag sehr passend, für andere bietet Self-Publishing den benötigten Handlungsspielraum.


    Ist Self-Publishing weniger professionell?


    Nicht zwangsläufig. Die Qualität hängt unter anderem von Manuskript, Lektorat, Gestaltung, Satz und Produktion ab. All diese Leistungen können auch beim Self-Publishing professionell umgesetzt werden.


    Kümmert sich ein Verlag um das Marketing?


    Das hängt vom Verlag, Buch und konkreten Vertrag ab. Du solltest vor Vertragsabschluss klären, welche Marketing- und Vertriebsleistungen tatsächlich vorgesehen sind. Deine eigene Kommunikation rund um das Expertenbuch bleibt besonders dann relevant, wenn Du es in Deinem Business einsetzen möchtest.


    Verdient man mit Self-Publishing mehr?


    Pro verkauftem Exemplar kann das möglich sein, ein pauschaler Vergleich ist aber wenig sinnvoll. Vergütungsmodelle, Druckkosten, Plattformbedingungen und selbst finanzierte Dienstleistungen unterscheiden sich. Bei KDP hängen die Tantiemen beispielsweise von Format, Preis und Vertriebsweg ab.


    Kann ich mit einem Expertenbuch zuerst einen Verlag suchen und später selbst veröffentlichen?


    Grundsätzlich sind unterschiedliche Veröffentlichungswege möglich. Welche Rechte Du wann besitzt und welche Optionen nach Verlagsangeboten oder Verträgen bestehen, hängt jedoch von den konkreten Vereinbarungen ab. Vor verbindlichen Entscheidungen solltest Du entsprechende Vertragsbedingungen sorgfältig prüfen und bei Bedarf rechtlichen Rat einholen.



    Welcher Weg passt zu Deinem Expertenbuch?


    Die Entscheidung zwischen Verlag und Self-Publishing sollte nicht am Prestige, an einer pauschalen Gewinnrechnung oder an der Vorstellung hängen, dass einer der beiden Wege automatisch erfolgreicher ist.

    Sie sollte zu Deinem Buch passen.


    Und dafür muss zuerst klar sein, welches Buch Du überhaupt veröffentlichen möchtest.

    Wenn genau diese Grundlage noch fehlt, ist die Buchstrategie Intensiv der Schritt davor.

    zur Buchstrategie Intensiv

    Petra Baron