Dein Expertenbuch verständlich schreiben: So wird aus Expertenwissen ein Buch, dem Leser folgen können

Von Petra Baron

Du erklärst etwas, das für Dich vollkommen klar ist.

Dein Leser versteht jeden einzelnen Satz.


Und trotzdem denkt er am Ende:

„Okay. Aber was bedeutet das jetzt für mich?“


Das ist eine der tückischsten Stellen beim Schreiben eines Expertenbuchs.

Der Text ist sprachlich verständlich. Die Begriffe sind erklärt. Die Sätze sind nicht kompliziert.

Und trotzdem kommt das Wissen beim Leser nicht wirklich an.


Denn zwischen Information verstehen und Bedeutung erkennen liegt ein Unterschied.

Genau dort beginnt die eigentliche Übersetzungsarbeit eines Expertenbuchs.


Expertenbuch schreiben Fahrplan – Petra Baron | Expertenbuch-Mentoring

Fachwissen ist noch keine Erklärung

Als Expertin oder Experte verfügst Du über Wissen, das über Jahre entstanden ist.

Du kennst Regeln und Ausnahmen.

Du erkennst Muster.

Du kannst Situationen einordnen.


Und vor allem kannst Du beurteilen, was davon in einer konkreten Situation wichtig ist.


Genau diese letzte Fähigkeit wird beim Schreiben leicht übersehen.

Du gibst Deinem Leser Informationen.

Er bekommt aber noch nicht automatisch Deine Fähigkeit, diese Informationen einzuordnen.

Nehmen wir eine Unternehmensberaterin, die über Entscheidungsprozesse schreibt.

Sie kann ausführlich verschiedene Entscheidungsmodelle erklären.

Ihr Leser kann anschließend vielleicht sogar die Modelle benennen.


Seine eigentliche Frage lautet aber möglicherweise:

„Woran erkenne ich denn, welches davon ich in meiner Situation brauche?“


An dieser Stelle braucht er keine weitere Information.

Er braucht Deine Einordnung.


Der Leser muss wissen, warum Du ihm etwas erzählst

In Expertenbüchern finden sich häufig Abschnitte, die fachlich vollkommen richtig sind.


  • Eine Studie.
  • Ein Modell.
  • Eine Definition.
  • Eine Methode.
  • Eine persönliche Erfahrung.
  • Ein historischer Hintergrund.


Das Problem entsteht, wenn der Leser selbst herausfinden muss, warum das gerade wichtig ist.

Du kennst die Verbindung zum Thema. Er möglicherweise nicht.


Deshalb lohnt sich bei jedem größeren Gedanken die Frage:

Was soll mein Leser mit dieser Information erkennen?


Das kannst Du im Text sichtbar machen.

Zum Beispiel:


  • „Für Deine Entscheidung bedeutet das …“
  • „Der entscheidende Unterschied liegt hier in …“
  • „Das wird für Dich dann relevant, wenn …“
  • „Daran kannst Du erkennen, dass …“
  • „Für die Praxis folgt daraus …“


Solche Sätze sind keine überflüssigen Erklärungen.

Sie transportieren einen Teil Deiner Expertise, der sonst unsichtbar bleibt:

Deine Einordnung.


Zeige Unterschiede, statt nur Begriffe zu erklären

Manche Dinge werden erst verständlich, wenn der Leser erkennt, wovon sie sich unterscheiden.


Angenommen, jemand schreibt über Konflikte. Er kann erklären, was ein Sachkonflikt ist. Dann erklärt er einen Beziehungskonflikt. Danach einen Wertekonflikt.


Alle Definitionen können korrekt und verständlich sein.


Für den Leser wird das Wissen aber erst wirklich brauchbar, wenn er erkennt:

Woran merke ich, mit welcher Art von Konflikt ich es gerade zu tun habe?


Jetzt verändert sich die Erklärung.


Statt drei Definitionen nebeneinanderzustellen, kannst Du Situationen vergleichen:


Was sieht zunächst gleich aus?

Worin liegt der entscheidende Unterschied?

Welche Reaktion wäre bei Fall A sinnvoll?

Warum würde dieselbe Reaktion bei Fall B möglicherweise alles verschlimmern?


Damit vermittelst Du nicht nur Begriffe.


Du vermittelst Unterscheidungsfähigkeit.


Und genau das ist häufig das Wissen, für das Leser ein Expertenbuch brauchen.


Mach Deine Entscheidungskriterien sichtbar

Experten entscheiden oft sehr schnell.


Sie sehen eine Situation und denken:

„Da würde ich auf keinen Fall mit X anfangen.“


Für sie ist das selbstverständlich.


Für einen Leser ist genau dieser Gedanke Gold wert.

Denn er möchte nicht nur wissen, was man tun kann.


Er möchte verstehen:


Wann mache ich was?

Woran erkenne ich, dass etwas passt?

Wann gilt eine Empfehlung gerade nicht?

Welche Information verändert meine Entscheidung?


Wenn Du solche Kriterien im Kopf hast, schreibe sie auf.


Aus:

„In dieser Situation empfehle ich ein ausführliches Erstgespräch.“

wird beispielsweise:


„Ein ausführliches Erstgespräch ist vor allem dann sinnvoll, wenn noch unklar ist, ob das Problem tatsächlich dort liegt, wo der Kunde es vermutet. Ist die Ursache bereits eindeutig, braucht es diese Schleife möglicherweise nicht.“


Jetzt kennt der Leser nicht nur Deine Empfehlung.

Er versteht, wie Du zu ihr kommst.


Ein gutes Beispiel zeigt nicht nur, wie etwas aussieht

Beispiele machen einen Text nicht automatisch verständlich. Ein Beispiel kann nett zu lesen sein und trotzdem wenig erklären.

Entscheidend ist, was Du damit sichtbar machst.


Nach einem Beispiel kannst Du deshalb fragen:

Was soll mein Leser daran erkennen?


Vielleicht zeigt das Beispiel eine Grenze.

Vielleicht eine typische Fehlinterpretation.

Vielleicht den Unterschied zwischen zwei ähnlichen Situationen.

Vielleicht den Moment, an dem sich eine Entscheidung verändert.


Dann benenne genau das.


Nicht nur:

„Hier siehst Du ein Beispiel für …“


Sondern:

„Entscheidend ist hier nicht X, sondern Y. Genau daran kannst Du beide Situationen unterscheiden.“


Damit bekommt das Beispiel eine fachliche Aufgabe.


Erkläre Ausnahmen erst dann, wenn die Regel klar ist

Expertise macht vorsichtig. 


Du weißt, dass fast jede Aussage Einschränkungen hat.


Also schreibst Du:

„Grundsätzlich gilt …, allerdings nur unter der Voraussetzung …, wobei berücksichtigt werden muss …, außer wenn …“


Fachlich ist das vielleicht tadellos.


Für den Leser ist die Hauptaussage inzwischen verschwunden.

Deshalb darf eine Erklärung zunächst Orientierung geben:


Erst die Regel.

Dann die relevante Einschränkung.

Dann die Ausnahme, wenn der Leser sie an dieser Stelle wirklich braucht.


Präzision bedeutet nicht, jede denkbare Besonderheit sofort unterzubringen.


Präzision bedeutet auch, unterscheiden zu können, welche Differenzierung gerade notwendig ist.


Prüfe Wörter, die für Dich mehr bedeuten als für Deinen Leser

Nicht nur Fachbegriffe können Verständlichkeit verhindern. Manchmal sind es vollkommen normale Wörter.


„Strategie.“

„Verantwortung.“

„Qualität.“

„Erfolg.“

„Positionierung.“

„Transformation.“


Du weißt möglicherweise sehr genau, was Du darunter verstehst.


Dein Leser verbindet mit demselben Wort etwas anderes.

Deshalb musst Du nicht jedes Wort lexikonartig definieren.


Aber bei zentralen Begriffen solltest Du prüfen:

Verstehen wir darunter wirklich dasselbe?


Manchmal reicht dafür ein einziger Satz:

„Mit Verantwortung meine ich hier nicht, dass jemand eine Aufgabe erledigt. Ich meine, dass er auch die Entscheidungen übernimmt, die zu dieser Aufgabe gehören.“


Plötzlich ist klar, worüber das Kapitel eigentlich spricht.


Verständlichkeit zeigt sich daran, was der Leser danach kann

Eine gute Prüfung für einen Abschnitt ist deshalb nicht:

„Habe ich das gut erklärt?“


Das kannst Du als Autorin oder Autor nur schwer beurteilen.


Hilfreicher ist:

Was kann mein Leser nach diesem Abschnitt unterscheiden, beurteilen oder entscheiden, was er vorher noch nicht konnte?


Vielleicht kann er zwei Begriffe auseinanderhalten.

Vielleicht erkennt er eine Situation früher.

Vielleicht versteht er, warum eine bisherige Lösung nicht funktioniert hat.

Vielleicht kann er entscheiden, welche von drei Möglichkeiten für ihn passt.


Dann hat Dein Wissen beim Leser etwas verändert.


Und genau darum geht es.


Verständlichkeit und Buchstruktur gehören zusammen

Natürlich kann auch die beste Erklärung nicht funktionieren, wenn sie an der falschen Stelle steht.


Ein Leser kann nur mit Wissen arbeiten, für das ihm die notwendige 

Grundlage bereits zur Verfügung steht.

Deshalb hängen Erklärung und Leserführung eng zusammen.

Wie Du entscheidest, welcher Gedanke an welcher Stelle Deines Buches gebraucht wird, zeige ich in „Die richtige Buchstruktur finden: So entsteht der rote Faden für Dein Expertenbuch“.


Du musst wissen, wem Du etwas erklärst

Ein Absatz kann für einen erfahrenen Geschäftsführer völlig selbstverständlich und für einen Menschen in seiner ersten Führungsrolle viel zu voraussetzungsreich sein.


Deshalb brauchst Du eine Vorstellung davon, welches Wissen Dein Leser mitbringt und welche Erfahrungen er bereits gemacht hat.


Wie Du diesen Ausgangspunkt bestimmst, findest Du in „Wie Du die richtige Zielgruppe für Dein Buch findest“.

Fazit: Gib Deinem Leser nicht nur Dein Wissen

Ein verständliches Expertenbuch muss Dein Thema nicht kleiner machen.


Es muss Deinem Leser zeigen, wie er sich darin orientiert.


Er braucht nicht nur Deine Informationen.

Er braucht auch Deine Unterschiede.

Deine Kriterien.

Deine Einordnung.

Deine Begründungen.


Und manchmal Deine klare Ansage:

Darauf kommt es hier an.


Genau darin steckt ein großer Teil Deiner Expertise.


Wenn Dein Leser nach einem Kapitel nicht nur mehr weiß, sondern besser unterscheiden und entscheiden kann, hast Du Dein Wissen nicht bloß aufgeschrieben.


Du hast es für ihn nutzbar gemacht.

Buchstrategie Intensiv

Häufige Fragen zum verständlichen Schreiben

Was macht ein Expertenbuch verständlich?


Verständlichkeit entsteht nicht nur durch einfache Sprache. Der Leser muss erkennen können, was Informationen bedeuten, wie sie zusammenhängen und wann sie für seine Situation relevant sind.


Sollte ich Fachbegriffe vermeiden?


Nein. Fachbegriffe können notwendig und präzise sein. Wichtig ist, dass der Leser versteht, was Du damit meinst und weshalb der Begriff für das Thema relevant ist.


Wie erkläre ich komplexes Wissen, ohne es zu stark zu vereinfachen?


Zeige Unterschiede, Kriterien und Zusammenhänge. Du musst Komplexität nicht beseitigen. Du musst dem Leser Orientierung innerhalb dieser Komplexität geben.


Wie merke ich, ob ich genug erklärt habe?


Prüfe nicht nur, ob der Leser die Information verstehen kann. Frage Dich, was er anschließend damit beurteilen, unterscheiden oder entscheiden kann.


Mehr zur Buchstrategie Intensiv

Wenn Du aus Deinem Wissen einen klaren Leserweg entwickeln möchtest, findest Du hier mehr zur Buchstrategie Intensiv.

Buchstrategie Intensiv

Petra Baron