Viele beginnen bei der Zielgruppe mit Merkmalen wie Alter, Beruf oder Branche.
Das kann hilfreich sein. Für ein Buch reicht es allerdings nicht.
Denn zwei Menschen können äußerlich zur gleichen Zielgruppe gehören und trotzdem an völlig unterschiedlichen Punkten stehen.
Der eine kennt sein Problem bereits genau und sucht nach einer konkreten Lösung. Der andere spürt nur, dass etwas nicht funktioniert, kann aber noch gar nicht benennen, woran es liegt.
Genau deshalb ist für ein Expertenbuch nicht nur wichtig, wer Dein Leser ist.
Entscheidend ist auch:
Wo steht dieser Mensch, wenn er Dein Buch aufschlägt?
Was weiß er bereits? Was hat er vielleicht schon ausprobiert? Welche Annahmen bringt er mit? Und welche Frage beschäftigt ihn gerade?
Je genauer Du diesen Leserstandort kennst, desto leichter kannst Du entscheiden, wo Dein Buch beginnen muss und welche Inhalte Dein Leser tatsächlich braucht.

Zielgruppe für ein Buch finden: Beginne mit dem Leserstandort
Wenn Du die Zielgruppe für Dein Buch bestimmen willst, würde ich nicht zuerst ein klassisches Wunschleserprofil ausfüllen.
Alter, Beruf oder Familienstand können eine Rolle spielen. Sie sagen Dir aber noch nicht, was dieser Mensch von Deinem Buch braucht.
Hilfreicher sind Fragen wie:
- Welches konkrete Problem beschäftigt meinen Leser gerade?
- Was weiß er darüber bereits?
- Was hat er vielleicht schon versucht?
- Woran kommt er im Moment nicht weiter?
- Was muss er verstehen, bevor eine Lösung für ihn überhaupt sinnvoll wird?
Damit veränderst Du den Blick auf die Zielgruppe.
Du beschreibst nicht nur, wer Dein Leser ist. Du bestimmst, wo er steht.
Und genau dieser Punkt entscheidet darüber, wo Dein Buch beginnen muss.
„Der Leserstandort ist allerdings nur eine der Entscheidungen, die vor dem Schreiben fallen sollten. Welche weiteren Fragen Du vorher klären solltest, zeige ich in „Expertenbuch schreiben: Was vor dem ersten Kapitel entschieden sein muss“.
Ein Beispiel: „Führungskräfte“ ist eine Zielgruppe.
Aber eine Führungskraft, die gerade ihr erstes Team übernommen hat und zum ersten Mal in einen ernsthaften Konflikt gerät, braucht ein anderes Buch als eine erfahrene Führungskraft, die seit Jahren Teams leitet und ihre Organisation neu ausrichten will.
Beide gehören auf dem Papier zur gleichen Zielgruppe.
Ihr Leserstandort ist trotzdem völlig verschieden.
Je genauer Du diesen Unterschied erkennst, desto präziser kannst Du Dein Buch entwickeln.
Wie findest Du heraus, was Deine Leser wirklich beschäftigt?
Der Leserstandort entsteht nicht am Schreibtisch aus Vermutungen.
Je mehr reale Informationen Du über Deine möglichen Leser hast, desto genauer kannst Du einschätzen, was sie beschäftigt, was sie bereits wissen und an welchem Punkt sie Unterstützung brauchen.
Dafür gibt es mehrere gute Quellen.
Nutze Gespräche aus Deiner bisherigen Arbeit
Achte auf Fragen, die Dir Kunden, Klienten oder Teilnehmer immer wieder stellen.
Gerade wenn Du seit Jahren mit Deiner Zielgruppe arbeitest, steckt in diesen Gesprächen oft bereits sehr viel Material für Dein Buch.
Lies Kommentare, Nachrichten und Rückmeldungen anders
Auch Kommentare auf LinkedIn, E-Mails, Nachrichten oder Reaktionen auf Deine Inhalte können hilfreich sein.
Achte dabei nicht nur darauf, welche Themen angesprochen werden.
Interessanter ist oft, wie Menschen ihr Problem selbst beschreiben.
Ein Coach spricht vielleicht von „fehlender Selbstwirksamkeit“. Sein potenzieller Leser sagt dagegen:
„Ich weiß eigentlich genau, was ich tun müsste. Trotzdem mache ich es nicht.“
Beide sprechen möglicherweise über dasselbe Problem.
Für Dein Buch ist die zweite Formulierung besonders interessant, weil sie Dir zeigt, wie Dein Leser seine Situation erlebt, bevor er Deine fachliche Erklärung kennt.
Nutze Rezensionen zu Büchern aus Deinem Themenfeld
Auch Rezensionen ähnlicher Bücher können Hinweise liefern.
- Was fanden Leser hilfreich?
- Was war ihnen zu oberflächlich?
- Wo fehlten Beispiele?
- Was wurde als unnötig kompliziert beschrieben?
- Welche Fragen blieben nach der Lektüre offen?
Dabei geht es nicht darum, ein anderes Buch nachzubauen.
Du suchst nach Hinweisen darauf, was Leser in diesem Themenfeld brauchen und erwarten.
Sprich direkt mit möglichen Lesern
Wenn Du Zugang zu Menschen hast, für die Dein Buch gedacht ist, frag nach konkreten Situationen.
Nicht nur:
„Was interessiert Dich an diesem Thema?“
Sondern zum Beispiel:
- Wann wird dieses Problem für Dich besonders spürbar?
- Was hast Du bisher versucht?
- Was verstehst Du an dem Thema noch nicht?
- Woran merkst Du, dass Du gerade nicht weiterkommst?
- Welche Frage würdest Du jemandem stellen, der sich damit wirklich auskennt?
Damit bekommst Du keine künstliche Wunschleserfigur.
Du bekommst Hinweise auf echte Situationen, Denkweisen, Fragen und Hürden.
Und daraus lässt sich ein Leserstandort entwickeln, der für Dein Buch tatsächlich nützlich ist.
Eine Zielgruppe ist noch keine Buchzielgruppe
Nehmen wir an, Du möchtest ein Buch über Resilienz schreiben.
Die erste Idee lautet:
„Ich möchte Menschen helfen, besser mit Stress umzugehen.“
Das ist noch sehr weit.
Denn „Menschen mit Stress“ können sich in völlig unterschiedlichen Situationen befinden.
Eine Führungskraft, die unter permanenter Verantwortung steht, braucht etwas anderes als jemand, der nach einer persönlichen Krise wieder Stabilität sucht.
Also wird die Idee konkreter:
„Ich schreibe für Führungskräfte, die nach außen souverän funktionieren, innerlich aber merken, dass Belastung und Verantwortung dauerhaft zu viel werden.“
Plötzlich verändert sich das Buch.
Die Beispiele werden konkreter. Die Fragen werden präziser. Und auch die Auswahl der Inhalte wird leichter.
Du musst nicht mehr alles erklären, was mit Resilienz zu tun hat.
Du kannst entscheiden, was dieser Leser in dieser Situation braucht.
Das ist der Unterschied zwischen einer allgemeinen Zielgruppe und einem klaren Leserstandort.
Kann ein Buch mehrere Zielgruppen haben?
Das bedeutet aber nicht, dass Du es für alle gleichzeitig entwickeln solltest.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn verschiedene Lesergruppen an sehr unterschiedlichen Punkten stehen.
Nehmen wir wieder das Beispiel Führung.
Wenn Du gleichzeitig für Menschen schreibst, die gerade ihre erste Führungsrolle übernehmen, und für Geschäftsführer, die seit zwanzig Jahren Unternehmen führen, musst Du ständig entscheiden:
Was kann ich voraussetzen? Was muss ich erklären? Welche Beispiele passen?
Was für die eine Gruppe hilfreich ist, kann für die andere längst selbstverständlich sein.
Deshalb ist ein klarer Hauptleser meistens die bessere Arbeitsgrundlage.
Andere dürfen Dein Buch trotzdem lesen.
Aber beim Entwickeln des Buches weißt Du, für wen Du Entscheidungen triffst.
Drei Fragen, mit denen Du den Leserstandort für Dein Buch bestimmst
Nimm Dir eine konkrete Person vor, für die Dein Buch hilfreich sein könnte.
Dann beantworte drei Fragen.
1. In welcher Situation befindet sich dieser Mensch gerade?
Beschreibe nicht nur seine Rolle oder seinen Beruf.
Beschreibe den Moment, in dem Dein Thema für ihn relevant wird.
Nicht:
„Meine Leserin ist selbstständig und zwischen 40 und 55 Jahre alt.“
Sondern beispielsweise:
„Meine Leserin ist seit Jahren erfolgreich selbstständig. Sie merkt inzwischen, dass sie viele ihrer zentralen Gedanken immer wieder in Gesprächen erklärt und möchte daraus ein Buch entwickeln.“
Die zweite Beschreibung gibt Dir wesentlich mehr Informationen für Dein Buch.
2. Was weiß oder glaubt Dein Leser über sein Problem?
Was hat er bereits verstanden? Welche Erfahrungen hat er gemacht? Was hat er schon ausprobiert? Und gibt es vielleicht eine Annahme, die ihn gerade daran hindert, weiterzukommen?
Das ist wichtig, weil Dein Buch an diesem Wissen anknüpfen muss. Du kannst Deinen Leser nicht dort abholen, wo Du selbst heute stehst. Du musst dort beginnen, wo er steht.
3. Was soll sich durch Dein Buch verändern?
Was sollte Dein Leser nach der Lektüre besser verstehen, anders einordnen oder konkret tun können?
Damit bekommt Deine Zielgruppenentscheidung eine Richtung.
Du weißt jetzt nicht nur, wer am Anfang vor Dir steht, sondern auch, wohin Dein Buch diesen Menschen führen soll.
Wenn Du beides klar beschreiben kannst, hast Du eine wesentlich bessere Grundlage für Dein Buch als mit einem allgemeinen Wunschleserprofil.
Die richtige Zielgruppe erleichtert Dir das Weglassen
Ein klarer Leserstandort hilft Dir noch bei einer weiteren Entscheidung, die vielen Experten beim Schreiben schwerfällt:
Was kommt nicht ins Buch?
Wenn Du sehr viel über Dein Thema weißt, lässt sich fast jeder zusätzliche Inhalt begründen.
Interessant ist er bestimmt.
Aber braucht dieser Leser ihn?
Mit einem klaren Leserstandort bekommst Du dafür ein wesentlich besseres Kriterium.
Du kannst bei jedem Thema fragen:
Braucht mein Leser dieses Wissen, um von seinem Ausgangspunkt zum Ziel des Buches zu kommen?
Wenn nicht, darf es draußen bleiben.
Das macht Dein Buch nicht weniger kompetent. Es macht es präziser.
Aus diesem Weg vom Ausgangspunkt zum Ziel entsteht später auch die Struktur des Buches. Wie Du daraus einen roten Faden entwickelst, zeige ich in „Die richtige Buchstruktur finden: So entwickelst Du einen roten Faden, der Leser fesselt“.
Fazit: Die richtige Zielgruppe beginnt mit dem Leserstandort
Die Zielgruppe für Dein Buch zu bestimmen bedeutet nicht, eine möglichst detaillierte Wunschperson mit Alter, Beruf, Familienstand und Hobbys zu erfinden.
Entscheidender ist zu verstehen, wo Dein Leser gerade steht.
Welche Situation erlebt er?
Was weiß er bereits?
Was hat er versucht?
Welche Frage beschäftigt ihn?
Und was soll er nach Deinem Buch besser verstehen oder anders tun können?
Gerade bei komplexem Expertenwissen entscheidet dieser Unterschied darüber, was Du erklären musst und was Du bereits voraussetzen kannst. Mehr dazu findest Du in "Dein Expertenbuch: Klar, verständlich & lösungsorientiert – So schreibst Du ein Buch, das wirklich hilft".
Je genauer Du diesen Ausgangspunkt kennst, desto leichter kannst Du später entscheiden, welche Inhalte in Dein Buch gehören und welche draußen bleiben.
So entsteht ein Buch nicht für eine theoretische Zielgruppe.
Es entsteht für Menschen, die sich in einer konkreten Situation wiedererkennen und beim Lesen merken:
Dieses Buch setzt genau dort an, wo ich gerade stehe.
Die Zielgruppe für Dein Buch zu bestimmen bedeutet nicht, eine möglichst detaillierte Wunschperson mit Alter, Beruf, Familienstand und Hobbys zu erfinden.
Entscheidender ist zu verstehen, wo Dein Leser gerade steht.
Welche Situation erlebt er?
Was weiß er bereits?
Was hat er versucht?
Welche Frage beschäftigt ihn?
Und was soll er nach Deinem Buch besser verstehen oder anders tun können?
Gerade bei komplexem Expertenwissen entscheidet dieser Unterschied darüber, was Du erklären musst und was Du bereits voraussetzen kannst. Mehr dazu findest Du in "Dein Expertenbuch: Klar, verständlich & lösungsorientiert – So schreibst Du ein Buch, das wirklich hilft".
Je genauer Du diesen Ausgangspunkt kennst, desto leichter kannst Du später entscheiden, welche Inhalte in Dein Buch gehören und welche draußen bleiben.
So entsteht ein Buch nicht für eine theoretische Zielgruppe.
Es entsteht für Menschen, die sich in einer konkreten Situation wiedererkennen und beim Lesen merken:
Dieses Buch setzt genau dort an, wo ich gerade stehe.
Häufige Fragen zur Zielgruppe für Dein Buch
Wie finde ich die richtige Zielgruppe für mein Buch?
Beginne nicht nur mit Alter, Beruf oder Interessen. Bestimme die konkrete Situation, in der Dein Thema für einen Menschen relevant wird. Prüfe anschließend, was dieser Mensch bereits weiß, was er versucht hat und welche Frage ihn gerade beschäftigt. So bestimmst Du nicht nur die Zielgruppe, sondern auch ihren Leserstandort.
Brauche ich für mein Buch eine konkrete Persona?
Nicht zwingend. Eine Persona kann hilfreich sein, wenn ihre Merkmale für Dein Thema relevant sind. Für die Entwicklung eines Expertenbuchs ist häufig wichtiger, die konkrete Situation und den Wissensstand des Lesers zu kennen.
Kann mein Buch mehrere Zielgruppen haben?
Ja. Für die Entwicklung des Buches ist trotzdem ein klarer Hauptleser hilfreich. Wenn verschiedene Zielgruppen sehr unterschiedliches Vorwissen oder unterschiedliche Probleme mitbringen, wird es schwierig, für alle gleichzeitig die passenden Inhalte, Erklärungen und Beispiele auszuwählen.
Was ist der Unterschied zwischen Zielgruppe und Leserstandort?
Die Zielgruppe beschreibt, für wen Dein Buch gedacht ist. Der Leserstandort beschreibt, an welchem Punkt dieser Mensch steht, wenn er Dein Buch aufschlägt. Dazu gehören seine Situation, sein Vorwissen, bisherige Erfahrungen und die Frage, auf die er gerade eine Antwort sucht.
Mehr zur Buchstrategie Intensiv
Wenn Du Deine Buchidee hast, aber noch klären möchtest, für wen Dein Buch genau gedacht ist, wo dieser Leser startet und welchen Weg Dein Buch für ihn bauen soll, findest Du hier mehr zur Buchstrategie Intensiv.